Ich träume oft äußerst plastische Träume. Vor so ungefähr einer Woche hatte ich einen Traum von einem Menschenfresser, ca. 2, 70 m groß. Er sah ein bisschen so aus wie die Sagengestalt Chumbaba in einem meiner Kinderbücher, in dem eine Szene aus dem Gilgmesch-Epos dargestellt ist. Die sumerischen Halbgotthelden Gilgamesch und Enkidu kämpfen auf diesem Bild mit dem feuerspeienden Monstrum, das wie eine Mischung aus Frankensteins Gesellenstück und einem sehr zornigen, backenbärtigen Orang-Utanmännchen aussah, und dieses Wesen erschien mir ziemlich genau so auch in meinem Traum. Allerdings war weit und breit kein sumerischer Halbgott in der Nähe, oder andere Spezialisten für die Menschenfresserjagd.
Allerdings bewachte Chumbaba zwei anders als im Gilgamesch-Epos keinen Zedernwald, und ich hatte auch nicht vor, seltene Bäume zu fällen. Das dunkle Geschöpf war irgendwie in einen Gebäudekomplex eingedrungen, der im Prinzip nur aus Beton und ziemlich viel Glas bestand, modernste Architektur, bestimmt preisgekrönt und sehr transparent. Als das Monster zum ersten Mal in meiner Nähe zuschlug, drehte ich ihm lieber meinen Rücken zu, sah dann aber in einer spiegelnden Glasscheibe, dass er sich ein menschliches Herz ganz frisch aus einer Brust besorgt hat, und dann fraß das Wesen schmatzend und sah recht zufrieden aus. Es war sehr eklig, aber Schiss hatte ich nicht. Ich drehte mich um, der Chumbaba-Verschnitt bäugte sich zu mir herunter, wollte mir wohl etwas dummes ins Ohr flüstern, eventuell mit seiner körperlichen Überlegenheit prahlen, und mir erzählen, dass ich wohl als nächtes an der Reihe sei. Ich ergriff mein Schwert und schlug dem Menschenfresser den Kopf ab. ( Äußerst merkwürdig, in meinem Alltagsleben habe ich weder ein Schwert, noch bin ich je einem Menschenfresser begegnet, stehe auch eher auf den Feuilleton als auf Actionfilme ).
Das tolle ist, dass man sich nach so einem Traum echt wie ein richtiger Held fühlt. Wenn ich eine Technik besäße, die mich in einen solchen Traum manövrieren könnte, würde ich jede Nacht Monster jagen. Mal zugegeben - Computer zocken kann jeder, und egal wie realistisch die Graphik ist, die reicht niemals an so einen plastischen Traum heran, wie ich ihn in dieser Nacht hatte. Ich, der Monsterkiller. Vielleicht würde ich auch mal Schach spielen mit Nietzsche oder Poker mit Hemingway, aber Chumbabas oder andere Höllengesellen köpfen toppt das dann doch.
Nur ein Problem hatte ich mit meinem Traum : da war keine süße Prinzessin, die beeindruckt war von meiner Heldentat. Ich träume viel zu viel von D., aber in diesem Traum kam sie nicht vor und sie war auch nicht in anderen Träumen dieser Woche aus den Klauen finsterer Gestalten zu befreien.
Ich, ein trauriger Held für sich allein. Mehr nicht. Niemand zu befreien, keine Welt zu retten, keine D. zu befreien. Einfach nur Eshorn.
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